Mykorrhiza

Kollektiv

Aufklärungskampagne gegen psychische Gewalt

Nicht erst, wenn eine Beziehung in körperlicher Gewalt eskaliert, kann von Häuslicher Gewalt gesprochen werden. Es gibt mehr, was uns täglich in Beziehungen bedroht und verletzt – auch, wenn die Verletzungen keine sichtbaren körperlichen Schäden hinterlassen.

Dir wird gedroht, du wirst gedemütigt und nicht ernst genommen? Nonverbales Verhalten oder sprachliche Übergriffe können weh tun und nachhaltig verwunden. Dieser Gewaltform heißt psychische Gewalt - eine subtile Strategie, die die meisten Menschen nicht im ersten Moment als Gewalt einordnen.

Psychische Gewalt tritt häufig in Paarbeziehungen auf, ist jedoch nicht ausschließlich darauf zu begrenzen. Auch in Freundschaften, unter Kollegen oder in der Familie kann es zu unterschiedlichen Ausprägungen dieser Gewaltform kommen.

Das Mykorrhiza Kollektiv ist eine Gruppe engagierter junger Menschen, mit dem Ziel, die Betroffenheit von psychischer Gewalt sichtbar zu machen. Gefunden haben wir uns allein aus der Motivation heraus, gesellschaftlich und sozial aufzuklären. Das grundlegende Konzept entstand bei einem Praktikum der Initiatorin beim Jenaer Frauenhaus e.V.. Um ein aktuelles Bild zu zeichnen, was Menschen in Beziehungen konkret als verletzend empfinden, fragten wir in einer Online-Umfrage Menschen nach ihren Erfahrungen. Die Auswertung glichen wir mit aktuellen wissenschaftlichen Ergebnissen und den Aussagen von Betroffenen in Schutzeinrichtungen ab.

Unser Fazit: das Thema hat keine Öffentlichkeit. Es gibt noch (!) keinen Tatbestand im deutschen Recht, der psychische Gewalt in Beziehungen an sich strafrechtlich verfolgbar macht. Dies hat zur Folge, dass selbst in den seltenen Fällen, in denen sich Betroffene gerichtlich wehren möchten, keine strafrechtlichen Konsequenzen für psychische Gewalt folgen. Durch die fehlende Bühne für diese gesamtgesellschaftliche Problematik wird den Betroffenen vermittelt, ihr Anliegen sei, trotz des alltäglichen Leids, ungerechtfertigt.

Deswegen ist es unserem Kollektiv ein besonderes Anliegen, Betroffene und Interessierte aufzuklären, ihnen Worte für ihr Leiden zu geben und so einen Umgang damit zu ermöglichen.  Wir möchten ebenfalls ausdrücklich kommunizieren, dass psychische Gewalt unabhängig vom Geschlecht auftritt. Daher freuen wir uns umso mehr, dass wir für die Umsetzung dieses Projektes die fachliche Unterstützung vom Jenaer Frauenhaus e.V. und vom Männergewaltschutz Projekt A4 erhalten haben. Als Botschafter konnten wir einige hochklassige Spieler*innen vom Frauenfußball USV Jena, dem FC Carl Zeiss Jena und dem Basketballverein Science City Jena gewinnen. Wir möchten uns für Eure Unterstützung und auch die der lieben Fotografin vom Fotostudio Ebenbild sehr herzlich bedanken. Die gemeinsam erarbeiteten Plakate könnt ihr ab dem 27.06.20 in der Jenaer Innenstadt und im öffentlichen Nahverkehr sehen.

Plakate der Aufklärungskampagne gegen psychische Gewalt

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Die Aufklärungskampagne gegen psychische Gewalt in der Presse